ZusammenWir!

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Was bewegt uns – und was wollen wir bewegen?

 „Hatte einen schlimmen Notfall…“ simst mir die Sozialarbeiterin aus der Seniorenwohnanlage. Ein Bewohner war umgekippt und eigentlich nur aus Zufall gefunden worden. Dann war kein Arzt erreichbar, der Pflegedienst hatte kein Personal. Der Mann war alleinstehend, keine Verwandten, keine Freunde. „Er hat sich an mich geklammert aus Angst und Einsamkeit. Da wäre jetzt ein Nachbarschaftsnetzwerk richtig gut gewesen…“

„ZusammenWir! Quartiere gemeinsam entwickeln“ heißt unsere Initiative in Altona-Altstadt. Was liegt uns in unserem Stadtteil besonders am Herzen? Was kommt in Zukunft auf uns zu? Was können wir für ein gutes Miteinander tun? Was bewegt uns – und was wollen wir bewegen? Ich bin gespannt auf unser erstes Nachbarschaftstreffen.

Schon heute haben 40 Prozent der über 70-Jährigen weniger als einmal im Monat soziale Kontakte zu vertrauten Menschen. Vereinsamung und Depression nehmen zu. Das erlebe ich hier hautnah. Funktionierende Nachbarschaften werden für ältere Menschen immer wichtiger. Wir wollen ausprobieren, wie das hier vor Ort gehen kann, in der Anlage von fördern & wohnen in der Bernstorffstraße, und vor allem die Menschen selbst fragen, was sie sich wünschen und was sie einbringen wollen.

Keine Angebote machen, sondern eher Raum geben für eigenen Engagement. Was dabei wohl rauskommt? Ein Gemüsebeet? Bienenkörbe und eine bessere Ausstattung des Cafés? Kinobesuche oder Trauerkultur? In Kooperation mit dem Bezirksamt Altona wollen wir dann im Rahmen einer Regionalen Bildungskonferenz am 15. April auch ein Netzwerk von Trägern aufbauen. Denn gute Nachbarschaft ist kein Fertiggericht. Sie braucht Räume, Organisation und Unterstützung, Austausch über die Belange des Quartiers und auch ein bisschen Geld. „ZusammenWir!“ ist eine kirchliche Initiative, die den Aufbau einer „Caring Community“, einer füreinander sorgenden Gemeinschaft unterstützen möchte. Auch das ist eine Form von Seelsorge – gute Nachbarschaften zu unterstützen, in denen Menschen zu Hause sein können wie sie sind, mit Stärken und Schwächen und auch mit den schweren Seiten des Lebens. Die Menschen haben sich tatsächlich zuerst Gespräche gewünscht über Tod und Trauer, Abschied und Vergänglichkeit. Ehrliche und tiefe Gespräche waren das. Seitdem ist das Miteinander anders geworden. Aus losen Kontakten wächst eine andere Verbundenheit – das beste Mittel gegen Einsamkeit!

Melanie Kirschstein

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